Juden in Deutschland

  • Römische Zeit / Antike

  • bereits zur Zeit der römischen Herrschaft gab es schon Juden in Deutschland

    • erste Gemeinden in der Nähe des heutigen Köln, Trier, Mainz, Worms, Speyer

  • Ausübung des jüdischen Glaubens zwar erlaubt, aber Verbot der Annahme öffentlicher Ämter

  • 321 Dekret Kaiser Konstantins: Erlaubnis zur Ausübung von öffentlichen Ämtern für Juden

    • außerdem Erhalt der vollen römischen Bürgerrechte

  • Erster mit Namen überlieferter Jude: Isaak, am Hof Karl des Großen, Anfang 8. Jahrhundert


 

Judenverbrennung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (Mittelalter)
Judenverbrennung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (Mittelalter)

Mittelalter

 

  • starker Bevölkerungszuwachs innerhalb der jüdischen Bevölkerung im 10/11. Jahrhundert

  • Ausbreitung in den Osten Deutschlands

  • Erste deutsche Synagoge wurde 1012 in Köln errichtet

  • 12. Jahrhundert Ausübung des Kreditgeschäftes, Grund: Zinsverbot für Christen

  • jüdische Handwerker waren ausgeschlossen von christlichen Zünften à quasi Berufsverbot für handwerkliche Berufe

    • ansonsten entspanntes Verhältnis zwischen Juden und Deutschen

Verschlechterung der Verhältnisse:

  • erste Pogrome 1095 unter Pabst Urban II.

  • 1103 Verbot des Tragens einer Waffe

  • Die Haltung der Kirche gegenüber Juden verschärfte sich:

  • Konzil 1215: Kennzeichnung von Juden. Sie mussten einen sog. Judenhut (halbkugeliger oder konisch zulaufender breitkrempiger Hut mit einem Knauf auf dem Scheitel) und einen gelben Fleck(Stoffstück in Kreis-, Ring- oder Rechteck-Form ) tragen

  • 1236 Kammernknechtschaft: Schutz von Leben und Eigentum, aber Verlust der persönlichen Freiheit und eine Sondersteuer

  • erstmals Vorwurf der Ritualmorde im Jahre 1234

  • 1336 Ritterbanden ziehen durch Franken und durchs Elsass und töten über 5.000 Juden

  • 1350 wurden die Juden für die große Pest verantwortlich gemacht (Brunnenvergifter), daher Verfolgungen und Vertreibungen; Wiederaufnahme nur unter harten Auflagen

  • Neid und Hass auf Juden, entstanden durch das Zinsverbot für Christen und die Ausübung des Kreditgeschäfts der Juden, entluden sich in heftigen Ausschreitungen gegenüber Juden

  • Kaiser Sigmund lastete den Juden die Kosten für zwei Konzile an. Dies, sowie Verstoß gegen das Zinsverbot seitens der Christen führten zur Verarmung und Auswanderung vieler Juden.

  • Anfang 15. Jahrhundert: Vertreibung von Juden aus den Städten Köln, Konstanz, Würzburg, Speyer, Mainz, München

  • 1453 Verbrennung von 41 Juden in Breslau, weitere Vertreibung aus deutschen Städten und Verbrennung von Juden

    • Ergebnis: 1520 waren fast alle Juden aus großen deutschen Städten vertrieben

  • später: Rückwanderung in die Städte

  • Buchdruck verbreitet Bild vom Schwein als Mutter der Juden(„Judensau“)

 

Frühe Neuzeit

 

  • Karl V. bestätigte den Schutz und die Rechte der Juden auf dem Reichstag zu Speyer 1544, nachdem sich die Juden bei ihm über Verfolgungen und Misshandelungen bei ihm beschwerten

  • Im Gegensatz zu den protestantischen Gebieten muss sich Juden in Gebieten die unter katholischer Einfluss standen weniger vor Repressalien fürchten.

  • 1614 kam es in Frankfurt am Main kam es zu Plünderungen im jüdischen Ghetto

  • Juden konnten an Höfen eine höhere Stellung als sog. „Hofjuden“ einnehmen

  • Durch sog. „Judenordnungen“ wurde das gesellschaftliche Leben der Juden von dem jeweiligen Landesherren geregelt (Bsp. Regelung der Geburtenzahlen)

 

Nichts mit "Egalité": Nach ersten Versuchen der Gleichberechtigung wurden die Juden nach wie vor unterdrückt
Nichts mit "Egalité": Nach ersten Versuchen der Gleichberechtigung wurden die Juden nach wie vor unterdrückt

Aufklärung (18.Jahrhundert)

 

  • Versuch der Gleichberechtigung und Integration in das Gesellschaftsleben (Aberziehung des Jüdischen)

  • Juden blieben durch ihre Familiennamen allerdings weiterhin erkennbar

    • daher Umbenennung in exotische Namen (Bsp. Goldman, Blumenfeld)

  • Gleichberechtigung der Juden infolge der Französischen Revolution

  • Gleichstellung wurde in den anschließenden Jahrzehnten durch Edikte und Ausnahmeregelungen wieder zunichte gemacht (Bsp. Friedrich Wilhelm IV.: Lehre vom christlichen Staat)

  • Versuch der Juden die Fremdartigkeit ihrer Religion durch Reformen abzuschwächen(Bsp. ein der christlichen Konfirmation nachempfundenes Glaubensgelöbnis für Kinder)

  • 1847 Schaffung eines einheitlichen Judengesetzes

 

Kaiserreich

 

  • 1869 Gleichberechtigung der Juden durch „Gesetz betreffend die Gleichberechtigung der Konfessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung“ innerhalb des Norddeutschen Bundes

    • Grundlage der Reichsverfassung von 1871

  • Durch die Gleichberechtigung erlangten die Juden einen gesellschaftlichen Aufstieg(Bsp. Anstellung als Staatsbeamte)

  • 1881 Vormarsch des Sozialdarwinismus führt zur erneuten Entflammung rassistischer Bewegungen

  • Aufgrund der Niederlage des deutschen Reiches im ersten Weltkrieg wurde selbiger den Juden angelastet(„Dolchstoßlegende“)

  • Nach der Niederlage wurde von rechtsradikalen Parteien der Hass auf die Juden geschürt